Blinzelnd öffnete ich meine schweren Augenlider. Orangenes Licht blitzte durch meine Wimpern. Und schon fielen meine Augen wieder zu. Durch das offene Fenster wehte eine leichte Brise und der Geruch von Meer stieg mir in die Nase. Ok, noch ein neuer Versuch. Dieses Mal gelang es mir, die Augen zu öffnen. Verschlafen setzte ich mich im Bett auf. Hievte zuerst einen, dann den anderen Fuß aus dem Bett. Ich schaute auf die Uhr und realisierte, dass es erst 7 in der Früh war. Im Halbschlaf taumelte ich zur Quelle des wärmenden Lichts. Auf der Terrasse angekommen, bestaunte ich fasziniert den farbenfrohsten Sonnenaufgang, den ich je gesehen habe. Ich blickte auf die kleine Bucht zu meinen Füßen und betrachtete atemlos den Sonnenaufgang über dem Meer, auf der anderen Seite der Bucht von Palma de Mallorca. Nach einigen Minuten übermannte mich jedoch wieder die Müdigkeit, ich taumelte zurück ins Bett, drehte mich um und schlief sofort wieder ein.

Klares Wasser der Bucht bei Cala Vinyes
Felsen an einer einsamen Bucht auf Mallorca

Einige Stunden später sitze ich nun hier. Nach dem Sonnenaufgang hat sich dieser Tag in einen wahnsinnig heißen Tag verwandelt. Perfekt, um die Stunden zu nutzen und die Gegend zu erkunden. Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen im Urlaub ist es, stundenlang durch die Gegend zu wandern. Einfach der Nase nach, ohne Reiseführer und Tipps, einfach nur dorthin gehen, wo es sich für mich gut anfühlt, wo ich mich wohlfühle. Der heutige Spaziergang führte mich in eine kleine Bucht in der Nähe von Cala Vinyes mit einem kleinen Restaurant direkt am Strand. Umgeben von Pinienwäldern im türkisen Meer zu schwimmen, und rundherum das Zirpen unzähliger Grillen. Ich spazierte von dieser kleinen Bucht weiter durch den Pinienwald. Nach einiger Zeit entdeckte ich eine kleine, einsame Bucht. Auf den Felsen dieser Bucht verbrachte ich einige Stunden. Das Wasser war unfassbar klar. Unter mir tausende Fische, über mir der blaue Himmel und vor mir das unendlich weite Meer.

Pinienwald an der Küste von Mallorca
Blick über das Meer bei Mallorca

Es ist unglaublich, wie beruhigend solche Tage sein können und wie viel Kraft sie mir für den kommenden Herbst und Winter schenken. Kraftmomente wie diese muss man genießen, solange man sie erlebt. Für mich gibt es nichts Besseres, als auf den warmen Felsen einer einsamen Bucht zu liegen, neben mir nichts weiter als ein gutes Buch. Zur Abkühlung ins Meer zu hüpfen und mich einfach nur treiben zu lassen, während die Brandung immer wieder gegen die Felsen schlägt und die Sonne am Himmel leuchtet. Genau das sind die Momente, an die ich an kalten Tagen zurückdenke. Dann kann ich mitten im Winter wieder den salzigen Geschmack des Meeres auf meinen Lippen schmecken und den Wind in meinen Haaren spüren.

Aufziehendes Gewitter über der Bucht von Palma
Dunkle Wolken über dem Meer bei Mallorca

Gerade sitze ich hier auf einer Terrasse mitten in Spanien, auf der Insel Mallorca, und versuche zu schreiben. Eigentlich wollte ich ein ganz anderes Erlebnis meiner Reise festhalten, doch meine Gedanken schweifen immer wieder ab, zu dem, was gerade jetzt um mich herum geschieht. Es war ein wahnsinnig heißer Tag. Die Sonne schien gnadenlos vom Himmel und alles war wie aufgeladen. Doch plötzlich bauten sich vor mir, auf der anderen Seite der Bucht Badia de Palma, riesige Gewitterwolken auf. Die Wolken kamen aus dem Nichts und waren tiefschwarz. Schlagartig kühlte die heiße Luft um mich herum ab. Ab und an drang ein lautes Donnern an mein Ohr und es dauerte nicht lang, bis ich die ersten Blitze sah. Es schien, als ob sich das ganze heiße Wetter der letzten Tage aufgestaut hatte und nun auf einmal entlud. Ich konnte beobachten, wie die vielen kleinen Segelboote auf dem Meer hektisch Richtung Land fuhren und sich der Strand vor mir binnen Minuten leerte.

Ich konnte beobachten, wie weit entfernt die ersten Regengüsse niedergingen und sich die ganze Umgebung veränderte. Ein kühler Wind fuhr durch die Pinien und Palmen unter der Terrasse und das Donnern wirkte immer bedrohlicher. Von hier oben kann man unglaublich weit sehen, und so hatte ich einen großartigen Blick auf das Szenario. Rundherum donnerte, blitzte und schüttete es wie aus Kübeln. Nur über mir war es noch hell. Plötzlich wurde es ganz still. Die Grillen und Vögel verstummten, die Palmen verharrten und auch die Pinien wurden nicht mehr vom Wind hin und her geschüttelt. Es war, als würde die Welt einen Moment innehalten und noch einen tiefen Atemzug tun, bevor das Wetter auch hier seine gesamte Kraft entfaltet und die Gewalten auf diese kleine Bucht loslässt. Und dann, einen Augenblick später, ging es auch schon los. Und ich stand hier, genoss den kühlen Regen nach Tagen der Hitze auf meiner Haut, den rauen Wind, der meine Haare zerzauste, und den Moment, der sich aufgrund seiner Einzigartigkeit in mein Herz brannte.

Regen über der Bucht von Palma de Mallorca